Rang: Seneschall

Posten: ​Schatzmeister, Feldscher, Kriegstreiberei
 

 

 

Die Zeit bevor Tuula Elisa Jokela dem Schwarzen Löwen beigetreten ist:

 

Meine Geschichte beginnt in den kalten Weiten des Nordlands, in dem Land das heute Finnland genannt wird. Dort wo das Gesetz des Stärkeren über allem steht, wo die Wildnis noch Wild ist und die Menschen ein ganz eigenes Völkchen.
Wir schreiben das Jahr 1348, im März, während der Winter das Land  noch fest in seinen kalten Fingern hält, erblickte ich, als eines von drei Kindern, der Familie Jokela das Licht der Welt. Meine Eltern lebten in einer kleinen Ansammlung von Häuschen, man kann sie kaum als Dorf bezeichnen, im Süden des Landes. Wir lebten vom Ackerbau, der Jagd und ab und an vom Handel mit Pelzen, wenn sich die Gelegenheit ergab. Sobald meine Brüder und ich laufen konnten, war es auch zu unserer Aufgabe geworden den Unterhalt der Familie zu sichern. Schwäche oder Unlust, waren der Luxus den ich nie kennenlernen durfte. Immer wieder im Laufe meiner Kindheit zogen Schwedische Soldaten durch unser Land und früh schon lehrte mein Vater uns Kindern, wie wir uns zu verteidigen hatten, um nicht Ihrer  Willkür zum Opfer zu fallen.
Als meine Mutter, eines Abends nicht von der Jagd nach Hause kam und mein Vater sie wenige Tage später, geschändet und erwürgt im Schnee fand, beschloss er, dass unsere Zeit in der Wildnis vorüber sein sollte. Er packte zusammen was wir an Hab und Gut besaßen, tauschte die Hütte gegen drei Saxmesser für uns Kinder und wir zogen los. In den Geschichten der Nomaden hatten wir von einer aufstrebenden Stadt im Südwesten des Landes gehört, die durch regen Handel gute Aussichten für ein neues Leben versprach.
Während unserer Reise hielten wir uns mit kleinen Hilfsarbeiten bei Bauern über Wasser, bis wir einen Monat später die ersten Ausläufer der jungen Stadt Turku erreichten.
Ungewohnt viel Leben herrschte hier auf den Straßen, die Gerüche und Geräusche des lebendigen Treibens schmerzten unsere Sinne. Unser Vater bläute uns ein Vorsicht wallten zu lassen und uns vor Dieben in acht zu nehmen. Während der ersten Tage lebten wir außerhalb in einem Zelt, nicht mehr als einige zusammengenähte Rohhäute, bis unser Vater schließlich Arbeit bei einem Handelskontor erhielt und wir uns daran machten eine Hütte für uns zu errichten. Einige Jahre schien alles gut zu werden und wir lebten friedlich am Rande der prosperierenden neuen Stadt. Um uns herum wuchsen andere Häuser aus dem Boden, schon bald wurde eine Kirche errichtet und das Leben blühte auf.
Mit den Jahren jedoch wurde der Verlust meiner Mutter, für meinen vom Schicksal gebeutelten Vater ein übermächtiger Schatten unserer Vergangenheit und er suchte, das Vergessen in einer neuen Droge die der Handel ins Land brachte, Alkohol. Abend für Abend versoff er nahezu seinen gesamten Lohn, während wir am Hungertuch nagten und schließlich weder aus noch ein wussten. Der Tag kam an dem wir versuchten seiner ewigen Trinkerei ein Ende zu bereiten und ihm, der bereits benebelt in Geist und Sinnen seiner Flasche beraubten, um ihn an seine Vaterliebe und seine Beschützer rolle unserer kleinen Familie zu  erinnern. Er, durch die Wirkung der Droge nicht er selbst prügelte und schrie auf uns ein, bis meine Brüder mich aus dem Hause zerrten und wir unser Heil in der Flucht suchten. Noch in der Nacht beschlossen wir unser Vaterland und unsere unselige Vergangenheit hinter uns zu lassen und suchten Anstellung auf einem der Handelsschiffe im Hafen. Meinen Brüdern viel es nicht schwer, denn tüchtige Schiffsjungen waren gefragt und gern auf die Reisen mit genommen. Doch welcher rechtschaffende Kapitän wäre schon bereit ein junges Mädchen von gerade 14 Jahren mit auf eine gefährliche Überfahrt zu nehmen. Nach einem tränenreichen Abschied von meinen Brüdern beschloss ich unter dem Deckmantel, einer vorgespielten Männlichkeit auf einem Schiff in ein anderes Land anzuheuern und so mein Glück zu machen. Der Tag kam an dem ein rekrutierender Seemann auf meine Tarnung hereinfiel und mich ohne zögern in Sold nahm. So begann meine Reise in das entfernte Deutschland.
Da ich gut mit dem Sax umgehen konnte und mich als nicht ungeschickt im Besteigen der Takelage erwies, erntete ich bei der Schiffsmannschaft Anerkennung und war schnell ein Akzeptiertes Mitglied an Bord. Gegen Mitte unserer Reise, nach vielen Häfen der nordischen Welt gelangten wir aufs offene Meer und meine Kumpanen begannen von der wundersamen Stadt an der Nordküste Deutschlands zu schwärmen die unser nächstes Ziel sein sollte. Rungholt, ein Ort mächtigen Reichtums und eine Handelsmetropole jenseits meiner Vorstellungskraft. Dort werde das weiße Gold gehandelt sagte man mir und alles dort sei schön und herrschaftlich. Die Leute lebten in den Tag hinein und kannten weder das weltliche noch das göttliche Gesetz. Ein Ort der Freiheit. Voller Vorfreude und mit klopfendem Herzen wartete ich auf ein Erstes Zeichen dieser magischen Stadt und beschloss dort mein Leben zu führen und das Schiff endlich zu verlassen. Im Eismond des Jahres 1362 tauchte die verheißene Stadt schließlich am nebligen, kalten Horizont auf und je näher wir kamen desto mehr übertrug sich die Unruhe der gesamten Mannschaft auch auf mich.
Im Hafen angelangt verabschiedete ich mich von meinen Reisegefährten, nahm meinen Lohn und stürzte mich in das geschäftige Treiben der Stadt. Den Tag verbrachte ich schlendernd und Staunend auf den Straßen Rungholts, irritiert von der Fülle an eindrücken und Hilflos , da ich niemanden verstehen konnte. In der Dunkelheit jedoch verwandelten die lebhaften Gassen sich in düstere Löcher und hinter jeder Ecke lauerten Betrunkene Seemänner und anderes Gesindel, die mich trotz der Tatsache, dass ich aussah wie ein Junge grob bedrängten. Erschüttert lief ich zum Hafen zurück und suchte nach meinem Schiff, in dieser Stadt des Teufels wollte ich nicht bleiben. Wie groß war mein Schrecken jedoch als ich den Anlegeplatz leer vorfand, hinter mir bereits die schlurfenden Schritte des nächsten Trunkenbolds vernehmend. So floh ich abermals und rannte bis ich nicht mehr konnte und nicht mehr wusste wo ich war. Sei es ein Wunder oder göttliche Fügung, als ich mich vor den Türen einer Kirche fand und gehetzt laut klopfend um Einlass bat. Die Tore öffneten sich knarrend und zeigten mir das Antlitz eines verängstigten Priesters. Er bat mich hektisch einzutreten und erzählte mir von einer Vision, die Stadt würde untergehen, da das gottlose Verhalten der Bürger den Zorn des allmächtigen Vaters auf sich gezogen hatte. Verwirrt und hilflos wie ich war, folgte ich dem panisch aus der Stadt flüchtendem Mann weiter ins Landesinnere, bis wir am nächsten Morgen erschöpft innehielten. Der Priester eilte sofort weiter, ich jedoch blieb und kehrte nach dem Abklingen der Sturmflut an den Ort des Geschehens zurück. Von der einst so prächtigen Stadt war nichts geblieben. Eine spiegelglatte Wasseroberfläche zierte ihren einstiegen Standort. Als ich dort so stand und die Wellen gemächlich meine Füße umspülten hörte ich hinter mir einen Ruf: „He, wer bist du? Hast du gesehen was passiert ist?“ Ich verstand kein Wort und blickte mich alarmiert nach der Person um die mich angesprochen hatte. Ein alter Mann auf einem Maultier mit schwer bepackten Lasttieren an der Leine blickte mich an. Ich versuchte ihm meine missliche Lage klar zu machen, was mir wohl gelungen sein musste, denn er nahm mich mit sich. Die folgenden Jahre reiste ich mit Jaro, dem Tuchhändler, der über meine Hilfreiche Hand dankbar war durchs Land. Er lehrte mich Deutsch zu sprechen und führte mich in das Handwerk des Tuchhandels ein. Zehn Jahre gingen ins Land und Jaro, der durch Alter und Gebrechlichkeit schwach geworden war, hatte mir, trotz der Tatsache, dass ich weiblich bin, die Führung seiner Geschäfte übertragen. Unsere kleine Handelskarawane bewegte sich stetig durch das Land und wir lebten jeden Tag aufs Neue friedlich und gut. So kam es, dass wir eines Ostermondmorgens in die Handelsstadt Augusta Vindelcorum einzogen, um dort unser Tagesgeschäft zu verrichten. Der Marktplatz war voll und wir verkauften viel und erstanden gute Ware. Als es schließlich dämmerte machten wir uns auf den Weg, Platz in einer Herberge zu finden, um am nächsten Tag unseren Weg fortzusetzten. Zu unserem Unglück waren die meisten Herbergen bereits ausgebucht und so irrten wir bis zum Einbruch der Dunkelheit in der Stadt umher. Plötzlich, wir bogen gerade um eine Ecke hinein in eine Enge Gasse, hörte ich eine raue Stimme rufen: „Geld oder Leben!“ Diebe, elendes Gesindel und keine Stadtwache in Sicht. Jaro rief: „Einem alten Mann, wollt ihr das letzte bißchen Leben nehmen, welches er besitzt! Niemals!“ Er trieb sein Muli an, welches von der Situation und der Bedrohung überfordert durchbrach und ihn herunterwarf. Ächzend blieb er auf dem Boden liegen. Dann wurde ich einer Gestalt gewahr, die über ihm Stand und grummelnd sprach: „Das erledigst du schon selber, alter Mann! Willst du uns dein Geld nicht geben so holen wir es uns.“ Und er stach sein Schwert durch den Brustkorb meines Wegbegleiters, der gurgelnd sein Leben aushauchte. Endlich fiel der lähmende Schreck von mir ab und ich zog mein treues Sax. Wutentbrannt hieb ich auf den Unhold ein, der mir mein gutes Leben ein weiteres Mal zerstören wollte. Als er schließlich unter meinen Streichen zusammenbrach sprangen aus den Schatten um mich her drei weitere Gestalten, die sich meine Maultiere mit allem hab und gut packten und Fersengeld gaben. Kurz bevor ich ihnen nachhetzten konnte hörte ich hinter mir Jaros Stöhnen, der alte Mann war nicht tot! Geschwind eilte ich zu seinem reglosen Körper hinüber und beugte mich mit tränenfeuchtem Gesicht zu ihm herunter. Gerade rechtzeitig war ich gekommen, um den verlöschenden Funken in seinen Augen zu sehen. Sanft bettete ich ihn nieder und setzte mich neben ihn in den Staub. Schluchzend kauerte ich auf dem Boden und wurde der Ungerechtigkeit der Welt gewahr, die mir ein weiteres Mal alles was ich besaß genommen hatte. Ausgespuckt aus den Wirren des Schicksals war ich nun wieder allein. Verschwommen sah ich plötzlich eine Bewegung. In Erwartung neuer Gegner drehte ich mich um, zum Schlag bereit. Doch meine Klinge traf klirrend eine andere und ich sah im schwachen Licht einer Laterne, eine rothaarige Frau in Beinkleidern und Hemd vor mir stehen, kaum älter als ich selbst. „Gut hast du gekämpft und wacker dich geschlagen! Wie heisst du?“ Die Schluchzer beutelten mich heftig und so konnte ich nichts als meine Klinge senken und mit der Hand zu bedeuten ich bräuchte noch Zeit. Da sah ich hinter ihr einen großen Mann von der Mauer springen, er lief behände zu ihr und flüsterte ihr etwas ins Ohr. „Wir nehmen dich mit, eine wie dich können wir immer gebrauchen.“
Doch den Rest meiner Geschichte, alles was nun folgt könnte jeder von euch weitererzählen, denn ihr seid dabei gewesen, als Tuula Elisa Jokela zum Schwarzen Löwen kam.

Tuula Elisa Jokela

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